MATTHIAS RODACHxxxxxxxxxx


 



„Der Diez“ am Untermüllerplatz in Dießen


Nähern wir uns dem alten Fischerort Dießen vom Ammersee aus, fällt uns der Mann mit dem goldenen Fisch ins Auge. Er scheint über die Wipfel ins Dorf zu schreiten und lädt ein, an Land zu gehen. Wir schreiten über einen der Stege, die ebenso wie die Fischerhütten am Wasser auf bis zu 12 Meter langen Holzpfählen gegründet stehen, ans Ufer, verweilen aber doch noch kurz bei dem stillen Schauspiel, das sich uns hier am schlammreichen Westufer bietet: schillernde Schatten gleiten auf der Suche nach Würmern, Insektenlarven und dergleichen mehr durch das Wasser.

Genau solch einen golden leuchtenden Karpfen hält dieser besondere Dießener Fischer in seinen Armen. Er führt uns mitten hinein in die Fischerei, ist immer wieder deutlich zu sehen, auf unserem Weg zum Untermüllerplatz. Dort steht er in 6 Meter Höhe auf einem ebensolchen Eichenpfahl, wie sie für die Bauten am Wasser, aber auch für den Bau des Bahnhofs verwendet wurden. Lebensgroß und mit Blick über Dießen steht der Mann mit dem goldenen Fisch dort oben und gibt dem Platz seinen Schwerpunkt.

Der Mann, der diesen goldenen Fang gemacht hat, kann aus allen Richtungen kommend frühzeitig wahrgenommen werden. Ob sich nun die Besucher oder die Bewohner von Dießen vom Bahnhof her nähern, von der Eisenbahnbrücke und dem nahe am See gelegenen Brückchen, das über den Mühlbach führt, herüberblicken, die obere Mühlstraße am Maibaum vorbei hinunterlaufen, von der Reitstege aus und dem darüber erreichbaren Parkplatz Ausschau halten oder von der Brunnenstraße auf den Untermüllerplatz kommen, immer wieder findet unser Blick die Verbindung zu diesem Urbild Dießener Geschichte und begleitet uns auf unserem Weg durch die Fischerei.

Der Mann mit dem goldenen Fisch wird nachts angestrahlt und bleibt so auch in der Dunkelheit ein treuer Bezugspunkt, der schillernd über dem Untermüllerplatz schwebt. Wenn wir dann mit dem Dampfer Dießen wieder verlassen und uns die goldene Schwanzflosse zum Abschied einen letzten Gruß herüberwinkt, wird wohl so mancher ins Grübeln kommen, ob man nicht doch eher von dem goldenen Fisch mit dem Mann sprechen sollte.
Text: Jürgen Ghebrezgiabiher

Diez ist die Abkürzung für Diezen, dem ursprünglichem Ortsnamen von Dießen; denn bereits in fränkischer oder karolingischer Zeit existierte vermutlich ein bescheidener Herrenhof in der Nähe des Tiefenbachs, worauf der 1039 erstmals genannte Ortsname „Diezen“ hindeutet.
Diez ist auch eine Abkürzung für Diettrich und hat die althochdeutsche Bedeutung „Mensch, Volk“.
"DER DIEZ“ ist somit ein Name, der nur in Dießen möglich ist und mit seinem starken Ortsbezug das gesamte Dießener „Volk“ und aber auch jeden einzelnen Dießener „Menschen“ meint.

 


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